Über Mia

Ich hasse kotzen!
Und trotzdem muss ich es immer und immer wieder tun.
Zerkratze mir den Rachen, verätze mir die Speiseröhre...
alles für diesen kleinen Moment des Glücks, in dem ich alles essen kann was mir schmeckt ohne mir Sorgen darüber machen zu müssen, zu zu nehmen.

Und ich muss kotzen!
Wenn ich in einer Gesellschaft feststecke - wie meiner Familie - in der
kleine Portionen erst kritisiert, dann verboten werden.
Unmöglich sich da an den Diätplan "Friss gefälligst nichts" zu halten.

Und dann plagt auch noch das schlechte Gewissen...
der Druck steigt...ich spüre wie die Seele rebelliert, wie der Magen schmertzt und krampft...
es folgt der Bick in den Spiegel! Jedes mal grauenvoller, jedes mal auf's neue eine
Enttäuschung - ein Todesurteil!
Ich schäme mich - schlimmer noch - ich hasse mich!
Finde mich furchterregent hässlich. Fett! Spüre diese unbändige Wut!
Diesen Selbsthass und Ekel!
Beginne mir die Haare auszureißen und mir in den Bauch zu boxen...würde mir am liebsten das Gesicht zerkratzen.

Und dann kotze ich!
Beuge mich über's Klo, stecke mir gewaltsam den Finger in den Hals...
spüre wie mir flau im Magen wird, wie sich das ganze Fressen sammelt und als Kloß den Hals hochschnellt...und dann platzt es aus mir heraus.
Raus. Einfach alles raus.
Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes erleichtert!
Und nach einer Weile bin ich total leer.
Erschöpft und leer.
Außer einem Brennen in Hals und Magen bleibt nichts zurück.
Keine Kalorien und kein Gefühl. Ein schöner Moment.
Kein Gefühlschaos, kein Gedankenkreisen.
Einfach Stille...Leere...Taubheit.

 Nur Ich...einzig und allein Ich - eine leere Hülle.

Doch dieser Moment ist nur ein kurzer Augenblick.
Bald, vieleicht schon sofort, beginnt es von vorn.
Die Suche nach Befriedigung und Genuß vereint mit dem Ziel der Traumfigur?
Nur ein kurzer Augenblick Ruhe zwischen meinen kleinen Massakern.
Denn ich zerstöre mich! Mein Körper ist verätzt und erschöpft, meine Seele krank.
Aber vielleicht ist auch genau das der Sinn - das Ziel -
Selbstmord auf Raten!